Arbeit im Hospiz

 

Der Begriff „Hospiz“ stammt von dem lateinischen Wort „hospitium“ ab; das bedeutet „Herberge, Gastfreundschaft“. Ein Hospiz ist also nicht eine „Sterbeklinik“, sondern ein Haus, in dem Sterbende leben können bis zum Schluss – so formulierte es Cicely Saunders, die 1967 im Südosten Londons das St. Christopher Hospiz eröffnete. Ein Hospiz ist insofern stets um das Wohlergehen seiner Gäste bemüht, dabei werden ganz selbstverständlich die Angehörigen mit einbezogen.

Durch einen glücklichen Zufall bekam ich 2012 die Gelegenheit, im Mannheimer Hospiz St. Vincent als Musiktherapeutin tätig zu werden, wo ich seither stundenweise arbeite. Ausgerüstet mit Gitarre, Liedermappe und meiner Körpertambura, besuche ich die Menschen in ihren Zimmern.

Zunächst einmal gilt es, herauszufinden, ob ein Kontakt und möglicherweise darüber hinaus ein musikalisches Angebot gewünscht sind. Manchmal ist es für die Menschen angenehm, über Lieder, die vorgesungen oder – wenn möglich – gemeinsam gesungen werden, sich an Vergangenes zu erinnern. So entstehen nicht selten wertvolle Gespräche. Oder aber die Musik weckt einfach nur Emotionen – nicht immer ist ein verbaler Austausch nötig oder gewünscht.

Häufig steht vor allem der Kontakt zu einem nahen Menschen/Angehörigen im Zentrum meiner Arbeit. Für den Sterbenden und für den/die Hinterbliebenen gleichermaßen ist ein klärender, offener Abschiedsprozess von großer Bedeutung. Hierzu gehört auch der vierteljährlich stattfindende Gedenkgottesdienst, den ich musikalisch (mit-)gestalte.  

Manchmal sind die Bedürfnisse aber auch beschränkt auf Ruhe, Entspannung, Ablenkung oder darauf, „eingehüllt“ zu werden, nichts mehr tun zu müssen. In solchen Fällen kann ich meine Gitarre rein instrumental (ohne Begleitung der Stimme) einsetzen.

Neben der Gitarre steht mir in diesen Fällen ein weiteres Instrument zur Verfügung: ein Monochord, die sogenannte „Körpertambura“. Dieses Instrument mit seinem archaisch anmutenden Klang kann auf Wunsch dank seines geringen Gewichtes auf den Körper gelegt werden. Mithilfe von sogenannten Pacine-Körperchen können dann die Schwingungen des Instruments – von der Hautoberfläche und den Röhrenknochen aufgenommen – nicht nur über den auditiven, sondern auch über den Vibrationssinn wahrgenommen werden. So verhilft dieses Instrument in vielen Fällen zu Entspannung und Beruhigung, seine Klänge werden von manchen Gästen als besonders wohltuend empfunden.